Kategorien
Gedanken Neuseeland Reisen Südinsel Te Araroa

Das Corona-Virus und meine vorerst letzten Tage auf dem Trail

Ohne Frage erleben wir alle zur Zeit einen absoluten Ausnahmezustand und die Ausbreitung des Covid-19 Virus nimmt immer größere Ausmaße an. Von dem, was ich so mitbekomme, denke ich aber, dass viele Regierungen gute Arbeit bei der Eindämmung leisten und das an vielen Orten ein gestärkter Zusammenhalt bzw eine große Hilfsbereitschaft zwischen den Menschen zu beobachten ist.

Ich werde viel gefragt, was ich in Neuseeland davon mitbekomme.

Durch meine meist sehr isolierte Situation auf dem Te Araroa Trail erhielt ich Nachrichten nur etwa alle vier bis sechs Tage. Immer dann, wenn es mir das Mobilfunknetz erlaubt. Also in den Ortschaften oder auf ein paar wenigen Berggipfeln.

Und wie schnell sich in kurzer Zeit alles ändern kann, durfte ich in den letzten Tagen selbst erleben:

Meg, Brook und ich sind schließlich bei Starkregen in einer sehr gemütlichen Unterkunft in Arthurs Pass untergekommen. Ich wanderte schon ein ganzes Stück mit den beiden. In der “Sanctuary” konnten wir kochen, waschen, uns an einem Ofen aufwärmen und auf besseres Wetter hoffen.

Die Nachrichten behielten wir immer im Blick aber zu diesem Zeitpunkt war die nationale Lage noch relativ unklar.

Etwas zeitversetzt brachen wir dann wieder auf. Brook hatte einen Tag Vorsprung.

Es ging durch ein grünes, dicht bewachsenes Tal, auf einem sehr abenteuerlichen Trail bis hoch auf einen Pass hinauf:


Der leichte Regen änderte nichts an der Tatsache, dass ich mich nach wenigen Momenten auf dem Trail wieder pudelwohl fühlte. Schon lustig. Ein Ruhetag kann sehr entspannend sein. Die erste Dusche und die erste richtige Mahlzeit fühlen sich unbezahlbar an. Verbringt man aber zu viel Zeit abseits vom Trail, fehlt einem die Bewegung und die frische Luft. Man liest Nachrichten, konsumiert Medien und die Gedanken fangen an, sich um sich selbst zu drehen. Man hat das Gefühl, auf der Stelle zu laufen. Also physisch wie auch im übertragenen Sinne.

Es gibt einen Teil in mir, der sich dann weiter im warmen aufhalten will. Aber sobald ich wieder draußen bin und durch den ersten Fluss laufe, merke ich, was mir gefehlt hat.

Der Aufstieg war anstrengend und führte über einige sehr steile Passagen, vorbei an vielen Geröllfeldern und Wasserfällen bis auf eine Höhe von etwa 1100 Metern zum Goat-Pass:

Die Aussicht von hier oben war unglaublich schön. Und die Nacht, die wir auf der Hütte verbrachten unverschämt kalt :D. Denn eine Feuerstelle oder einen Ofen gab es nicht. Und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, stößt mein Schlafsack an seine Grenzen. Ging aber grade noch so.

Meine Schuhe waren am nächsten Morgen trotzdem tiefgefroren. Also erstmal auftauen:

Der weitere Weg sollte über steile Felsen und Kletter-Passagen mehrere hundert Meter nach unten führen. Laut unserer Trail-Informationen, sollte man den Abstieg in diese Richtung bei Nässe auf jeden Fall meiden.

Da die Felsen an diesem Morgen nicht nur nass, sondern übergefrohren waren, entschieden wir uns für den Rückweg um die Stelle zu umgehen.

War wohl die richtige Entscheidung.

Denn selbst auf diesem Weg bin ich zwei mal gestolpert und habe mir meinen Knöchel verdreht. Daran war ich selbst schuld. Angespornt durch den Gedanken an ein zweites Frühstück, war ich zu schnell unterwegs und die Konzentration hat irgendwann nachgelassen.


Glücklicherweise führte der Weg einen Fluss entlang, in dem ich meinen Fuß regelmäßig kühlen konnte.

Bisher war mein Plan, die nächsten vier Tage auf dem Trail zu verbringen und im nächsten Ort die Situation zu beobachten.

Doch als ich gegen Mittag den State Highway 73 sah und Internetempfang hatte, erreichte mich die Nachricht:

In 48 Stunden wird die höchste nationale Sicherheitsstufe (Alert Level 4) ausgerufen: Jedes nicht essentielle Geschäft wird für vier Wochen geschlossen. Hütten und Campingplätze des DOC (Department of Conservation) machen ebenfalls bis auf weiteres dicht.

Ich hoffe, es geht zuhause allen soweit gut. Liebe Grüße von der anderen Seite!

2 Antworten auf „Das Corona-Virus und meine vorerst letzten Tage auf dem Trail“

Lieber Timo, wir hoffen, dass es Dir gut geht. Wo bist Du und die geht es für Dich weiter? Halte die Ohren steif und bleib gesund. Viele Grüße aus good old Germany, Die Blömers?

Hi Christian!
Es tut mir leid, ich habe deine Nachricht hier komplett übersehen…
Mir geht es gut!
Bin erst kürzlich von Christchurch nach Nelson gezogen. Ich verbringe ein bisschen Zeit um mich zu erholen und werde nächste Woche anfangen in einem Apfel-Garten zu arbeiten.
Ist meist sehr sonnig hier und es gibt viel zu sehen und Unternehmen.
Ich hoffe, euch geht es auch gut! Liebe Grüße an die Kleinen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner