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Backcountry

Willkommen am wunderschönen Arsch der Welt

Gestern sind wir in Te Anau angekommen. Eine wunderschöne und touristische Kleinstadt, an einem See gelegen und mit Blick auf den Fjordland Nationalpark. Also der perfekte Ort für eine Pause. Die haben wir nach unserem ersten, mehrtägigen Ausflug ins Hinterland jetzt tatsächlich nötig.Von unserem letzten Stopp in Tuatapere ging es über Wiesen und Felder weiter bis nach Birchwood. Auf einer kleinen Schaffarm konnten wir duschen, kochen und den Umständen entsprechend sehr komfortabel übernachten. Da die Birchwood Station scheinbar berühmt ist für ihren guten Ruf, hatten wir an diesem Abend auch die Möglichkeit, uns mit vielen anderen Wanderern auszutauschen. Die “Sobo’s” (also Southbounder; Leute, die den Trail in Richtung Süden wandern) gaben uns Infos zu den kommenden Campingplätzen, dem Terrain und der Ungeziefer-Situation in den Hütten ?.

Die kommenden drei Tage waren geprägt von wunderschönen Landschaften aber ebenso spannend wie anstrengend. Nachdem wir das Weideland allmählich verließen, kamen nämlich die ersten Ausläufer der Takitimu Mountains. Wir liefen im Schnitt zwar “nurnoch” etwa 20 Kilometer am Tag, machten dafür aber reichlich Höhenmeter. So ging es zuerst zur Telford Campsite, einem Campingplatz, der praktisch nur aus einem abgezäunten Bereich mit Plumsklo besteht. Die Szenerie drumherum ist tatsächlich atemberaubend schön gewesen, trotzdem verbrachten wir 90 Prozent unserer Zeit hier im Zelt. Denn der Campingplatz ist leider das Zuhause tausender SandflysSandflys sind Ameisen-große Mücken, die einen Stich wie blinde Fliegen hinterlassen. Sie sind langsam und unglaublich dämlich aber treten so zahlreich auf, dass man ohne Flammenwerfer einfach keine Chance hat. Das führte auch dazu, dass wir das Camp am nächsten Morgen so früh wie möglich abbauten und uns, eingepackt wie nach einem Chemiewaffen-Angriff, wieder auf den Weg machten. Es ging dann morgens direkt auf 1000 Meter hoch:

Dann durch einen Wald wieder steil herunter:

Und wieder hoch. Und wieder runter. Hoch und runter, bis unsere Oberschenkel glühten ?. Man konnte Abends immer wunderbar schlafen, soviel steht fest.Der letzte Abschnitt bis Te Anau führte uns abwechselnd durch Wälder und hohes Gras, Sümpfe und Täler umgeben von kahlen Berggipfeln. Drei Tage lang durch praktisch unberührte Natur zu laufen ist schon ein Erlebnis. Anfangs kontrolliert man noch oft im GPS, wie viele Kilometer noch zu laufen sind oder wie hoch einen der nächste Anstieg führt. Dieser Versuch, zu berechnen und zu kontrollieren führt aber meist dazu, dass sich der Weg nur länger anfühlt. Denn man betrachtet das, was noch kommt immer in Relation zum bereits geschafften Abschnitt. Später gibt man diese Kontrolle dann gern ab und läuft einfach. Von einer Wegmarkierung zur nächsten. Wir wussten nicht einmal mehr, welchen Wochentag geschweige denn welches Datum wir überhaupt hatten. Und das war auch OK so.

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