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Abenteuer Südinsel

Abenteuer Südinsel (Part 1)

Als Kind vom Land hatte ich schon lange den Wunsch, zumindest für eine gewisse Zeit, in einer größeren Stadt zu leben. Das ich diese Erfahrung eher notgedrungen und aufgrund einer globalen Pandemie in Christchurch machen sollte, hätte ich nicht ahnen können. Aber wie sagt man so schön: Es kommt immer anders als man denkt.

Anfangs war das eine eher sparsame Erfahrung, da ich im Lockdown auf alle Vorteile, die das Stadtleben normalerweise zu bieten hat, verzichten musste. Bis auf Lebensmittelgeschäfte und Apotheken war alles geschlossen und auch Ausflüge waren größtenteils untersagt. 

Nachdem sich die ganze Situation glücklicherweise in den letzten Monaten entschärft hat, hat sich herausgestellt, dass sich die Stadt in zentral Canterbury hervorragend als Ort zum arbeiten und leben eignet.

Und darüber hinaus ist es der perfekte Ausgangspunkt für Wochenendausflüge und Roadtrips zu den atemberaubenden Highlights der Südinsel.

Beispielsweise befinden sich Orte wie der Abel Tasman National Park, Arthur’s Pass, Wanaka, Queenstown und Lake Tekapo mit 3-5 Stunden Autofahrt in einer Tages-Trip geeigneten Entfernung. Auch wenn man weit mehr Zeit an jedem einzelnen dieser Orte verbringen kann und sollte, wenn sich die Möglichkeit ergibt. 

Nach langer Zeit der Stille in meinem Blog melde ich mich mit diesem Beitrag zurück, um von den eindrucksvollsten und aufregendsten Erlebnissen zweier Roadtrips zu berichten, die mir besonders schön in Erinnerung geblieben sind.

Als mein Wecker mich zum ersten Mal seit langem um 5:45 Uhr aus dem Tiefschlaf riss, fiel es mir überraschend leicht das Bett zu verlassen. Ich sprang unter die Dusche, richtete meine inzwischen völlig außer Kontrolle geratene “Frisur”, schnappte mir mein vorbereitetes Frühstück und machte es mir auf dem Beifahrersitz unseres Nissan Sunny gemütlich. Die Dämmerung war kaum sichtbar am Horizont zu erahnen als Max und ich gegen 7:00 Uhr die Chatham Street hinter uns ließen und uns auf den Weg zum Highway 73 machten.

Trotz der Uhrzeit lag ein Hauch positiver Anspannung in der Luft, die sich innerhalb der nächsten fünf Stunden Fahrt auf ein maximum zuspitzen sollte.

Der Highway 73 verbindet West- und Ostküste der Südinsel und führt auf knapp 250 Kilometern durch die beeindruckende Natur des Korowai-Torlesse Tussocklands National Park. Nachdem uns die Landstraße von Anfang an mit einem Ausblick auf den Hauptgebirgskamm der neuseeländischen Alpen belohnt, führt unser Weg vorbei an idyllischen Seen, durch neblige Täler und schließlich zum Castle Hill. Die vor 30-40 Millionen Jahren durch Wasser-erosion entstandene Felsformation liegt direkt an der Straße und fällt einem sofort ins Auge.

Nach einem kurzen Zwischenstopp für Fotos und Frühstück geht es weiter Richtung Westen. Bald passierten wir Arthur’s Pass, den kleinen Ort im Tal des Bealey River von wo aus ich vor einigen Monaten den Te Araroa Trail verlassen musste.

Eine der wenigen Stellen, die es Autofahrern erlaubt, den Gebirgskamm der Südinsel zu passieren. Das eindrucksvolle, bewaldete Tal ist meist Regenwolken-verhangen und bietet den dort lebenden Kea’s einen einzigartigen Lebensraum. 

Die heimischen Papageien sind leicht an ihrem bunten Federkleid und ihrem ganz und gar nicht scheuen Wesen zu erkennen.

Ein Wort zum Te Araroa Trail:

Die Entscheidung, die Wanderung hier so bald wie möglich fortzusetzen, steht fest. Den Corona-Lockdown in Christchurch zu verbringen hat mich einen guten Teil meines Wander-Budgets gekostet. Dennoch bereue ich den ungeplanten Aufenthalt hier nicht und bin sehr froh über all die tollen Menschen, die ich hier kennenlernen durfte und die Erfahrungen die ich sowohl auf Ausflügen sowie auch in verschiedenen neuen Arbeitsumgebungen sammeln konnte.

Mich juckt es inzwischen mächtig in den Beinen und ich denke fast jeden Tag an den Trail. Bis zum Jahresende bzw bis Januar werde ich aber nach Blenheim gehen um dort in einer Käserei bzw in den Weingärten zu arbeiten. Mein Visum wurde übrigens aufgrund aktueller Ereignisse um 6 Monate verlängert. Soweit der Plan.

Je weiter man sich Richtung Westküste der Südinsel begibt, desto dichter wird die Vegetation. Letztlich auf der anderen Seite angekommen, gibt die abenteuerliche Straße den Blick auf die wilde Tasmanische See frei. Es weht ein rauer Wind und es regnet weitaus öfter als über dem überwiegend trockenen Grasland der Ostküste.

Wir kommen aus dem Staunen nicht raus und ein Teil in mir wünscht sich einen längeren Anfahrtsweg zu unserem Ziel. 

Inzwischen kommt die Aufregung in regelmäßigen Schüben immer wieder hoch und wird zunehmend intensiver. 

Umgeben von dieser wilden Szenerie hätte ich für einen Moment fast den Grund für unsere Inselüberquerung vergessen: Etwa 24 Stunden zuvor kam Max im Flur unserer Flat auf mich zu und fragte, ob ich nicht Interesse an einem Fallschirmsprung beim Franz-Josef Gletscher hätte!

Nach kurzem verbalen hin und her und emotionalen auf und ab willigte ich ein und wir bereiteten uns auf die Reise vor.

Für Max ist es der erste Sprung. Ich hatte das Vergnügen bereits letztes Jahr in Deutschland, bin dadurch aber kaum weniger aufgekratzt. 

Dank Corona-Richtlinien ging es nach Ankunft an unserem Ziel und zweistündiger Wartezeit endlich zum Flugplatz: Wir erhielten unsere Einweisung und zogen unsere Overalls an. Aufmerksam beobachtete ich, wie mein Tandempartner den Fallschirm vorbereitete und die Riemen und Schnallen stramm zog. Spätestens im Moment, in dem wir das brummen des Propellerflugzeugs hörten, wusste wir, es wird ernst.

In dem Wissen in ein Flugzeug einzusteigen, dass man es vor der Landung wieder verlassen wird, ist ein merkwürdiges Gefühl, dass einen paradoxerweise irgendwie auf den Boden der Tatsachen zurückhohlt.

In zwei Reihen nahmen wir auf den schmalen Sitzbänken des Sportflugzeugs platz. Nach Anschnallgurten oder jeglichen andere Sicherheitseinrichtungen sucht man hier vergeblich.

Nachdem alle Passagiere Platz genommen haben, wurde die Tür geschlossen und der Steigflug beginnt. Etwa 15 Minuten lang konnten wir die Westküste und ihre wunderschönen Strände und buchten und zur anderen Seite den Franz-Josef Gletscher, Mount Cook und die umgebende Berglandschaft bewundern. Immer wieder fällt mein Blick auf die Ampel an der Trennwand zum Cockpit, welche uns das erreichen der Absprunghöhe signalisieren sollte. 

Max saß direkt neben mir und war, wie auch ich sichtlich angespannt :D. Das hielt meinen (älteren und erfahrenen) Tandempartner aber nicht davon ab, Witze zu reißen. Max erkundigte sich beiläufig, wie viel Sprungerfahrung der junge Mann denn hätte, an dem er da festgeschnallt wurde. Mein Tandempartner antwortete, er mache grade die Umschulung vom Pizzaboten zum Tandemlehrer, hätte sich ein paar Youtube-Videos angesehen und wenn er Max heute sicher zu Boden bringt, dürfe er danach auch mal alleine springen. Nette Art Humor. 

Immer wieder kommt der Gedanke auf, ob wir nicht bald hoch genug geflogen wären.

Der Druckunterschied sorgt für lautes knacken in den Ohren und der kälter werdende Wind pfeift durch die Kabine. 

Schließlich erreichte der Zeiger des Höhenmessers die 13000 Fuß (knapp 4000 Meter), die Ampelanzeige sprang auf Grün und unser Puls auf 180. Sofort reißt einer der Springer die Tür auf. Ich setzte meine Schutzbrille auf und schließe den Verschluss der modischen Leder-Kopfbedeckung. Was ab hier passiert ist nur schwer in Worte zu fassen, deshalb hier ein paar Bilder:

(Habe noch einige Probleme beim upload größerer Dateien in WordPress. Video folgt, sobald ich diese gelöst habe oder mir ein Computer zur Verfügung steht) 

2 Antworten auf „Abenteuer Südinsel“

Hey Timo, danke für diesen aufregenden Bericht, super was Du siehst und erlebst, mach weiter so!
Beim Lesen hab ich das Gefühl dabei zusein….tolle Eindrücke,LG

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