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Raus aus der Komfortzone: Die Notwendigkeit von Diskomfort

Der Mensch braucht Aufgaben. Etwas zu tun. Einen Grund aufzustehen jeden Tag. Dauerhaft zu sagen: “Ich chille vor mich hin” funktioniert jedenfalls meistens nicht sehr lange. Denn wir sind evolutionär dazu geschaffen, mit den verschiedensten Formen von Gefahr konfrontiert zu werden. Seien es Raubtiere, Witterungsverhältnisse, Eiszeiten, Hunger oder Krankheiten. Die Komfortzone tut uns langfristig nicht gut.

Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte von Kriegen, Verfolgung und Gewalt und dem Kampf ums Überleben.

Doch der westliche Mensch des 21. Jahrhunderts lebt überwiegend in einem ununterbrochenen Zustand von extremer Sicherheit und Übermaß. Wir haben dauerhaften Zugang zu Nahrung, einem Dach über dem Kopf, Entertainment, Sozialversicherungen, beheizten Bettdecken sowie Informationen jeglicher Art als auch (meistens) Klopapier. Unsere Vorfahren hatten Mühe ihren Magen zu füllen und am Leben zu bleiben. Wir bemühen uns, unseren BMI zu halten.

Der Mensch ist also ein Problemlöser. Unser Gehirn ist das Werkzeug dafür. Aber sind wir verwöhnt und bekommt unser Gehirn nichts mehr zu tun, dann schafft es sich die Probleme selbst.

Folglich kennt jeder diese kleinen Unannehmlichkeiten: Der Nachbar nervt, die Arbeit ist nicht abwechslungsreich genug, der Kühlschrank zu laut, die Waschmaschine zu langsam, der Kaffee zu fad, die Eltern zu neugierig und das Auto grundsätzlich zu langsam. Wir stören uns an der Ungerechtigkeit in der Welt, die tagtäglich in der Tagesschau thematisiert wird. Was aber 8000 Kilometer weit weg in Afrika jeden Tag passiert juckt uns nicht, weil es unerwähnt bleibt. Von sozialen Medien und dem Wetter fang ich hier gar nicht erst an. 

So werden wir von Tag zu Tag unzufriedener, je länger wir im gut behüteten Hamsterrad unsere Runden drehen. Das kann soweit führen, dass man seine Gehirnzellen lieber regelmäßig durch Alkohol und andere Narkotika betäubt. Oder sich derer durch den exzessiven Konsum von Nachmittags-TV-Programm gleich komplett entledigt. 

Man kann dieser Problematik mit Sicherheit auf verschiedenen Wegen entgegenwirken. Ich verfolge zurzeit einen pragmatischen Lösungsansatz: Wenn mich Kleinigkeiten auf die Palme bringen und ich das Gefühl habe, mich im Kreis zu drehen, gebe ich meinem Hirn wieder echte Aufgaben. Mich selbst in Situationen befördern, die zu anfang unangenehm oder sogar ein wenig beängstigend erscheinen können. Das muss kein Survival-Urlaub in der Arktis oder eine Wüstendurchquerung sein. 

Aber regelmäßig etwas zu tun das uns herausfordert, das einen heraus zwingt aus der behüteten Komfortzone hat schon vielen Menschen aus dem Trott geholfen.

David Goggins, ehemaliger Navy-Seal, Ultramarathonläufer und Autor von “Can’t hurt me” sagt: “Everyday do something that sucks”. Und für mich stellte sich das als einer der besten Tipps gegen Gereiztheit und Unzufriedenheit heraus. Sei es also Laufen oder Radfahren, Kraftsport, Bogenschießen oder nur ein Spaziergang an der frischen Luft. 

Es muss nicht zwangsläufig “sucken”. Bewegung an der frischen Luft tut es auch. Doch für mich ist inzwischen klar: Je mehr ich mich an meine Grenzen bringe, desto besser kann ich mich Abends entspannt zurücklehnen und Erholung und Entspannung auch genießen.

Es gibt kein Ying ohne Yang. Kein Komfort ohne Diskomfort. 


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