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Te Araroa Nordinsel – Von Waitangi nach Mangamuka

Nachdem ich Harriet in Russel wiedersah und wir zusammen mit der Fähre nach Waitangi übersetzten, waren für mich die letzten 240 Kilometer auf dem Trail angebrochen.

Es war ein komisches Gefühl. Seit fast zwei Monaten war ich zu diesem Zeitpunkt wieder praktisch jeden Tag am Wandern. Jeden Tag draußen in der Natur verbringen und Abenteuer erleben.

So viel frische Luft und tägliche Bewegung und natürlich das Schlafen im Zelt. Langsam aber sicher verändert diese Lebensweise die Art zu Denken und den Rhythmus, mit dem man in den Tag startet. Es ist eine Routine, von der ich mir bewusst bin, dass sie gut für mich ist. Ich fühlte mich gesünder und fitter denn je. Der Gedanke, einfach wieder aufzuhören und “fertig” zu sein, war irgendwie merkwürdig.

Ich war mir sicher, dass ich dieses Gefühl oder zumindest eine Art Routine, die ähnliche positive Auswirkungen mit sich bringt, auch nach dem Wandern auf dem Te Araroa Trail in meinen Alltag einbauen musste. 

Ein tägliches Maß an Bewegung, frischer Luft und vor allem Ausbrüche aus dem Alltag. Neue Orte sehen ist wichtig: 

Ich habe keine Beweise hierfür, aber ich bin mir fast absolut sicher, dass es gut für das Gehirn ist, sich regelmäßig neuen Reizen auszusetzen. Es ist wie eine Diät – Eine Weise der Ernährung, nur für den Kopf.

Wenn ich jeden Tag dasselbe zu mir nehme, dann fehlen mir wahrscheinlich irgendwann Nährstoffe, die wichtig für mich sind. 

Genau so, wenn ich jeden Tag zuhause (oder sonstwo im selben Umfeld) verbringe, kann das auf Dauer nicht so gut sein, wie wenn ich zumindest gelegentlich etwas komplett Neues sehe und mein Hirn damit etwas wachrüttel.

Von Waitangi nach Kerikeri 

Zurück zum Trail: Wie gesagt, war Harriet jetzt wieder an meiner Seite unterwegs. Nicht die ganze Zeit, aber zumindest am Abend und der Van war von hier an für die meisten kommenden Nächte mein Lagerplatz. 

Zugegebenermaßen hatte ich es für diesen Abschnitt deshalb tatsächlich einfacher als der übliche Te Araroa Wanderer: Ich musste mir keine Sorgen ums Einkaufen machen, weil wir Essen im Van transportieren und zubereiten konnten. Hinzu kommt, dass ich oft einfach den großen Rucksack im Van lassen konnte, mir einen kleinen Lauf-Rucksack umschnallen und dann den nächsten Abschnitt halb im Joggen, halb Wandernd zurücklegen konnte.

So ging ich auch die Strecke zwischen Waitangi und Kerikeri an. Es ging zuerst über den Golfplatz auf dem Berg im Norden von Waitangi und schließlich auf etwa 15 Kilometern durch das Gebiet des Waitangi Forrest. Die Wege durch diesen Waldabschnitt führen teilweise durch wunderschönen Nadelwald und teilweise durch ein Forstgebiet, in dem reichlich Abholzung stattfindet.

Aufenthalt in Kerikeri und dem Aroha Island Holiday Park

Schließlich erreichte ich Kerikeri und ging zusammen mit Harriet etwas fürs Abendessen einkaufen. Als Schlafplatz suchten wir uns den Aroha Island Holiday Park aus. Er liegt auf der kleinen Insel Aroha Island. Der Campingplatz bietet nächtliche Touren zur Beobachtung des bedrohten Nationalvogels, dem Kiwi, an. Mit einer Rotlicht-Taschenlampe ausgestattet kann man hier nachts auf Erkundungstour gehen und die kleinen, auf der Insel einheimischen Vögel bei der Nahrungssuche beobachten.

Angeblich sind sie recht einfach zu finden und nicht wirklich scheu. Ihre Augen und Ohren sind wohl recht schlecht, weshalb der Vogel vom Aussterben bedroht ist.

Die Rainbow Falls

Leider haben wir in dieser Nacht keinen Kiwi zu Gesicht bekommen, weil mal wieder ein Tropensturm durch die Gegend kam. Wir kochten also bloß etwas zu essen und legten uns dann bald schlafen.

Am nächsten Morgen machten Harriet und ich uns zusammen auf den Weg. Von Kerikeri aus ging es den Kerikeri River Track auf einem wunderbar ausgebauten Walkway hinauf zu den Rainbow Falls – einem ohnehin schon riesigen Wasserfall, der durch den nächtlichen Regen nochmal ordentlich an zusätzlicher Power gewonnen hat!

Den Waimokaikai Stream entlang zum Puketi Forest

Am Wasserfall kehrte Harriet um und ging zum Van zurück, während ich den, jetzt immer schmaler werdenden, Waimokaikai Stream hinauf lief. Der Te Araroa führt von hier auf einem weniger frequentierten, sehr schmalen Track über viel Farmland und durch teils sumpfige Gebiete.

Der Abschnitt von hier hinauf zum Puketi Forest war länger und um einiges anstrengender als erwartet. Es ging später über einige Stufen und durch recht unwegsames Gelände, bevor ich den Trail auf Landstraßen und in brennender Mittagshitze fortsetzen durfte.

Der Campingplatz am Puketi Forest ist extrem gut ausgestattet: Hier gibt es eine große Schutzhütte mit Energieversorgung, einige Zelt- und Fahrzeug-Stellplätze sowie kalte Duschen. Wir machten es uns gemütlich und ich bereitete mich auf den nächsten Tag vor.

Auf Umwegen durch den Puketi Forest

Der Puketi Forest Trail durchläuft ein enges Tal, das laut DOC – dem Department of Conservation besonders nach starken Regenfällen gemieden werden soll. Es kann hier angeblich zu Sturzfluten entlang des Flusses kommen. In diesen Fällen rollen gewaltige Wellen den sowieso schon recht starken Fluss hinab und reißen alles und jeden, der sich zu diesem Zeitpunkt um Tal befindet, mit sich.

Der Te Araroa Trust stellt aber eine Alternativroute für diese Fälle bereit, für die ich mich letztlich entschied. Der insgesamt über 35 Kilometer lange Weg führt stattdessen über die Berge des Gebietes: Die Omataroa Ridge bot mir leider weniger Urwald-Trail, aber dafür mehr Ausblicke auf die wunderschöne Landschaft der Region.

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