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Erfolgloses Fischen – Ein frustrierend schönes Wochenende

Erfolgloses Fischen – Ein frustrierend schönes Wochenende

Großartige Aussichten: Spontaner Angelausflug 

Nachdem wir in Christchurch einige ruhige Tage verbracht haben, war es Zeit, wieder auf Tour zu gehen! 

Wir hatten bisher keinen festen Plan und entscheiden uns letztendlich Inland in Richtung Canterburys Hochland zu fahren. Und dort liegt unter anderem der größte See dieser Region: Lake Coleridge

Der Weg dorthin führte uns unter anderem durch die wunderschöne Rakaia Gorge, eine Verengung im riesigen Rakaia River. 

Wie viele andere Seen und Flüsse hat auch der Rakaia aufgrund der im Schmelzwasser enthaltenen Mineralien eine fast unnatürlich erscheinende hellblaue Farbe.

Wir übernachteten hier und am Abend sowie am nächsten Morgen ging ich zum Angel an den reißenden Fluss. Das einzige, was ich mir aber einfing, war ein Sonnenbrand. 

Saisoneröffnung am Lake Coleridge

Bevor wir uns irgendwo hin auf den Weg machen, versuche ich vorab immer ein paar Informationen über unseren Zielort zu sammeln. Und am Lake Coleridge (und an vielen anderen Seen und Flüssen) ist jedes Jahr am ersten Samstag im November die Angel-Saisoneröffnung, der sogenannte Opening-Day. 

Hier treffen sich jedes Jahr viele begeisterte Angler (in Hochzeiten um die 700). Viele kommen mit Anhänger und Boot, andere, so wie ich, bloß um den 47 Quadratkilometer großen See vom Ufer zu fischen. Die lange Ruhephase im Winter, in der in diesen Gewässern nicht gefischt werde darf, dient dem Schutz und der Regeneration der Fischbestände. Das Eröffnungswochenende lässt also auf eine gesunde Fischpopulation und guten Angelsport hoffen.

Frühes Aufstehen und kalte Füße 

Alles war bestens Vorbereitet für den ersten Versuch am Samstagmorgen. Dachte ich jedenfalls. Am Vorabend habe ich meine Angelrute Vorbereitet, den Spinner (eine Art Kunstköder aus Metall) plus Ersatz eingepackt und bin früh schlafen gegangen. Der Wecker war auf 4:00 Uhr eingestellt. Gefischt werden durfte ab 5:00 Uhr morgens und die frühen Morgenstunden versprechen die höchste Fischaktivität zumindest in der Theorie.

Ich wachte am Morgen auf und bereitete mir verschlafen einen Kaffee zu. Zwanzig Minuten später zog ich meine Gummistiefel sowie eine dicke Jacke an und machte mich auf den Weg runter zum Seeufer. Es war zu diesem Zeitpunkt noch Stockdunkel. 

Der Plan war, an der Flussmündung des Harper River am nördlichen Ende zu Angeln. Der Fluss bringt neue Nährstoffe und mit Sauerstoff angereichertes Wasser in den See und der Grund fällt dort steil ab. 

Erster Versuch

Als ich am See ankam, war ich überrascht, wie weit das Flussufer aufgefächert war. Der Fluss bildet hier viele kleine Arme, die über hunderte Meter verteilt durch ein weiteres Kiesbett in den See münden. 

Ich laß bei meiner Recherche im Internet, dass Gummistiefel ausreichend sein sollten, um ans Seeufer zu gelangen. Von hieraus sollte man dann problemlos fähig sein, den Köder zum abfallenden Seegrund auszuwerfen. 

Wie ich aber später erfahren sollte, erreichte der Wasserstand des Lake Coleridge in diesem Jahr seinen Höchststand seit über 20 Jahren! Das sorgte dafür, dass mir das Gletscherwasser (Temperaturen im einstelligen Bereich) in den Gummistiefeln stand. Da wurde mir klar, dass hier voller Einsatz notwendig war, um in eine effektive Reichweite zum Angeln zu gelangen. 

Etwa zwanzig oder dreißig Meter neben mir sah ich im dunkeln den Lichtkegel der Kopflampe eines anderen Anglers, der mit denselben Problemen zu kämpfen hatte.

Er meinte, den Abgrund erahnen zu können und so wateten wir langsam, Schritt für Schritt weiter in den See hinaus bis wir bis auf Hüfthöhe im Wasser standen. Meine Zehen waren Taub und meine Beine Beine auf dem Weg dorthin. 

Und beim etwa zehnten Versuch wurde der Aufwand belohnt. Etwas biss mit solcher wucht den Köder, den ich ausgeworfen hatte, dass ich mich erschrak! 

Etwas zu hastig versuchte ich den Fisch in Reichweite zu hohlen als er im letzten Moment vom Haken kam und davon schwamm. 

Angeln im Wetsuit 

Auf diesen Moment folgten eineinhalb Stunden erfolgloses Angeln. Doch dafür durften wir bei absoluter Windstille einen sich auf der Wasseroberfläche spiegelnden, unbezahlbaren Sonnenaufgang erleben. 

Als sich meine untere Körperhälfte fast komplett von meinem peripheren Nervensystem verabschiedet hatte und ich die Kälte nur noch als stumpfes Pochen wahrnahm, entschied ich letztlich, zum Camp zurück zu kehren. 

Ich musste meine Taktik überdenken und die Vorstellung von einem weiteren koffeinhaltigen Heißgetränk war zu verführerisch.

Zurück im Lager kehrte das Gefühl langsam in meine Füße zurück und ich ließ mir einen Kaffee schmecken. Der Campingplatz war zu diesem Zeitpunkt wie leergefegt. Lediglich die Zelte und einige Autos waren noch hier. Inzwischen waren alle anderen Angler mit ihren Booten auf dem See. 

Um weiter in den See waten zu können und der kälte länger widerstehen zu können, zog ich für den zweiten Versuch meinen Wetsuit an. 

In Neopren gehüllt fing ich schnell an zu schwitzen und konnte es kaum abwarten, zum See zurück zu gehen. 

Dieses Mal waren meine Beine warm genug, um es eine ganze Weile im See aushalten zu können. Aber entweder war der Wasserstand so hoch, dass mein Spinner nicht tief genug herab kam, oder die Fische hatten einfach keinen Hunger.

Doch die Fische ließen immer noch auf sich warten und am frühen Nachmittag hatte ich erstmal genug vom Angeln. 

Sonnenbrand und Dehydriert

Der zweite Morgen

Am zweiten Morgen legte ich meine immernoch leicht klamme Ausrüstung wieder an und machte mich (dieses mal noch früher am morgen) wieder auf zum See. 

Ich konnte etwa alle ein bis zwei Stunden eine Forelle springen sehen und am späten Vormittag hatte ich sogar eine kleine Regenbogenforelle am Haken. Doch auch diese kam im letzten Moment wieder los und war in wenigen Sekunden im See verschwunden. 

Danach herschte wieder absolute Stille. Den gesamten Tag. Ich lief die Flussmündung auf und ab und versuchte mein Glück an verschiedenen Stellen. 

Es war ein wolkenloser Tag und die Sonne brannte am Mittag ins Tal hinab. Nach einiger Zeit konnte ich meine Kopfhaut unter meinen Haaren glühen spüren. Ich band mir mein T-Shirt als Kopfbedeckung um und setzte meine Tour fort. 

Am Nachmittag gab ich auf und kehrte erneut müde, durstig und hungrig ins Lager zurück. Es war nicht einfach, mich hier geschlagen zu geben. Als ich dann auch am nächsten Tag an einem anderen See den ganzen Tag keinen Fisch an Land ziehen konnte, erreichte meine Frustration den Höhepunkt. 

Letztenendes tröstete ich mich damit, dass auch die anderen Angler (die es, wie ich, vom Ufer aus versuchten) anscheinend keinen besonderen Erfolg hatten. 

Mit Misserfolgen umgehen

Es kann sehr frustrierend sein, nach viel Zeit und Aufwand erfolglos dazustehen. Und gerade beim Angeln kann das öfter mal vorkommen. Es gab an diesem Wochenende definitiv Momente, in denen ich an meinen Fähigkeiten gezweifelt hatte. Mir ist klar geworden, dass ich vorher nicht genau wissen kann, was auf mich zukommt und wie die genauen Umstände Vorort aussehen werden. Und selbst wenn ich (meiner Meinung nach) bestens vorbereitet bin, bedeutet das lange nicht, das Erfolg garantiert ist. 

Doch auch ohne Fisch dazustehen ist letztlich ein Ergebnis. Ich weiß nun, dass ich noch einiges zu lernen habe. In der Natur sind viele Variablen zu beachten. 

Doch das wichtigste ist, beim Lernen weiterhin Spaß zu haben. Misserfolge und Fehler sind Teil des Prozesses und notwendig um weiter zu kommen. 

Wenn wir es irgendwie schaffen, die anfängliche Frustration zu überwinden und neugierig sind, was wir beim nächsten mal besser machen können, dann können wir bestmöglich von unseren Misserfolgen profitieren. 


Hier gehts zu mehr Outdoor-Abenteuer!

Timo
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