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Te Araroa Nordinsel: Von Whananaki nach Waitangi

Der Campingplatz in Whananaki war sehr gemütlich und zudem direkt am Trail gelegen. Zu diesem Zeitpunkt begegnete ich immer mehr Wanderern und besonders im Nachtlager an den Campingplätzen herrschte inzwischen wieder voller Betrieb!

Besonders beeindruckend fand ich das Spektrum an unterschiedlichen Charakteren, die ich auf meiner Reise auf Neuseelands Te Araroa Trail kennenlernen durfte: Einige eingefleischte Fernwander-Veteranen mit dunkelbraun gebrannter Haut und winzigen Rucksäcken, die aussahen als würden ihre Träger bloß auf einen Tagesausflug gehen. Andere dagegen waren offensichtlich erst vor kurzem in das Abenteuer gestartet und trugen riesige Berge mit Gepäck mit sich herum.

Ich konnte darin sehr schön meine eigene Lernkurve wiedererkennen. Nach dieser Berichtsreihe zu meinen Erfahrungen auf dem Trail werde ich hier definitiv meine Ausrüstung noch einmal unter die Lupe nehmen und aufschreiben, welche Gegenstände ich inzwischen für überflüssig halte und was bei der nächsten langen Tour auf keinen Fall fehlen darf.

Der Whananaki-Inlet-Walk und gesperrte Wälder

Bevor es wieder weiter über reichlich Landstraße in Richtung Norden ging, führte mich der Trail zuerst ein wenig die Küste am Whananaki Inlet entlang. Dieser Weg führte hauptsächlich an Kuhweiden und Mangrovensümpfen entlang.

Vom Ende diesen Tracks wäre es dann eigentlich über den Morepork Track quer durch das nördliche Waldgebiet gegangen. Doch die Wälder Neuseelands Nordinsel haben zurzeit leider viel mit der Kauri Dieback Disease zu tun. Dabei handelt es sich um eine fatale Krankheit, die die heimischen Kauri Bäume befällt und letztlich zu Waldsterben führt.

Der pilzähnliche Krankheitserreger Phytophthora agathidicida wird leider beim Wandern leicht verbreitet, da er gegebenenfalls am Profil der Wanderschuhe durch den Wald getragen wird.

Für Fernwanderer auf dem Te Araroa bedeutet das leider, auf Umwege auf Landstraßen ausweichen zu müssen.

Das Ziel war jedoch dasselbe: Es ging hinauf auf diesen Berg und auf der anderen Seite wieder runter über den Helena Bay Ridge Track, einem abenteuerlichen kleinen Pfad, zur Küste.

Regen, Farmland und Glück am Straßenrand

In Helena Bay angekommen, übernachtete ich bei einem lokalen Trail Angel, der an diesem Abend einige Wanderer in seinem Garten mitsamt Trailer, Küche und Dusche aufgenommen hat. Wir wurden sogar mit Kaltgetränken versorgt.

Den nächsten Tag verbrachte ich fast komplett im Zelt, weil mal wieder ein Wolkenbruch im Norden von Aotearoa angesagt war. 

Es schüttete den ganzen Tag praktisch ohne Pause und der Boden war schließlich so aufgeweicht, dass die Heringe meines Zeltes nachgaben. Ich musste also ein paar mal raus in den Sturm, weil ansonsten das Zelt in sich zusammengebrochen wäre..

Am Nachmittag ließ der Regen glücklicherweise ein wenig nach. Ich hatte mich an diesem Zeitpunkt praktisch  durch meinen gesamten Proviant gefuttert – ein Tag im Zelt bedeutet Langeweile und nach dem Wandern lässt der Appetit ja bekanntlich nie lange auf sich warten.

Ich hatte je eine Packung Reis und eine Packung Tunfisch übrig, aber leider noch zwei Tagesmärsche bis zum nächsten Shop vor mir.

Als ich mich am späten Nachmittag schließlich auf den Weg machte, um die nächste Unterkunft (“The Farm”) noch am selben Abend zu erreichen, stieß ich am Straßenrand von Helena Bay genau zur rechten Zeit auf einen kleinen Bauernhof “Laden”. Das sind kleine, überdachte Tische mit entweder Eiern oder Obst und Gemüse, die in Neuseeland recht üblich sind. Man nimmt was man braucht und lässt etwas Bargeld in einer kleinen Kasse.

Dieser Laden hatte Avocados im Angebot. Ich kaufte einen Beutel und aas zwei direkt an Ort und Stelle. Avocados ohne Toast, Salz und Pfeffer sind zugegebenermaßen etwas Fad, ich hatte aber zum Glück noch Chili Sauce im Gepäck. Der Tag war gerettet 😀

Übernachtung, ausgefallenes Mittagessen und der Weg nach Waitangi 

Es ging über noch mehr Landstraße und in reichlich Regenschauern weiter nach Norden. Die Flüsse und Gräben waren überschwemmt.

In kompletter Regenausrüstung ging es Schritt für Schritt weiter, bis mir der Straßengraben das zweite Mal an diesem Tag ein Geschenk machte: 20 Dollar auf dem Boden. Nice.

Der Rest der Wanderung von hier lief nach einer weiteren, sehr nassen Übernachtung recht normal und trocken ab. Auf dem Weg machte ich mir ein sehr leckeres Mittagessen aus meinem restlichen Proviant und erreichte schließlich müde aber sehr glücklich Waitangi.

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